Ich schreibe jetzt oben nicht mehr Spieltag. Ich wurde belehrt, dass ein Spieltag ja gar nicht ein ganzer Tag ist, im Sinne von vierundzwanzig Stunden haben. Deswegen eben 3. Tag.
Man wird die Hupen auf den Straßen nicht überhört haben, selbst wenn man sich die letzten Tage in einer Murmeltierhöhle verkrochen haben sollte, ohne jeden Kontakt zur Außenwelt – die Mannschaft der Spiegelkondom-Nation hat heute gespielt und gewonnen. 4:0, das Ergebnis ist ja auch kein Geheimnis mehr.
Angeschaut habe ich mir das Spiel bei dem zweiten »public viewing« meines Lebens. Mein erstes war 2008 beim Vorrundenspiel Niederlande-Italien, bei dem die Holländer die Südläner mit 3:0 deutlich niederschossen. So ist es zumindest in meiner Erinnerung, zum Fakten-Googlen bin ich jetzt zu faul. So war es aber auch der Tag, an dem ich mich schon beim letzten Mal entschloss für die Niederländer zu sein, bis sie dann aber relativ bald wieder nach Hause fahren durften.
Meine zweite öffentliche Liveübertragung eines Fußballspiels sah ich heute beim Abbelwoi Schmidt. Es ist netter dort, als der Name (und die Webseite) vermuten lässt. Ein mittelgroßer Biergarten mit netten Bedienungen, schalem Bier und mäßigen Würsten. Aber man kommt eh nur zum Apfelweintrinken dorthin (so viel hätte ich mir ja auch denken können). Oder eben Fußballschauen.
Am interessantesten ist ja wie schnell man in Deutschland von der Pflaume zum Nationelhelden wird. In einer Minute ist Klose noch »der neue Gomez«, in der nächsten ein Franz Beckenbauer (der einzige »große deutsche Fußballer«, den ich kenne). Einmal den Kopf gegen einen Ball halten. In den USA muss man dafür wenigstens ein Flugzeug auf einem Fluss landen.
Überhaupt frage ich mich ja eh was unser aller konkreter Nutze sein wird, angenommen Deutschland wird Weltmeister. Weder unfassbarer Reichtum winkt, noch Ehre oder Ruhm für uns Unbeteiligte. Der Gedanke, der mich in der Pinkelpause ereilte, macht die ganze Veranstaltung noch banaler. Aber ich möchte nicht mehr über Fußbalfantum meckern, der Fréderic hat das so schön erklärt mit dem Fußballfansein, dass ich jetzt Fußballfanfan bin.
Und morgen spielt dann Holland!